Der Winter und das Schmuddelwetter in unserer Heimat ist lang und einige sehnen sich nach Wärme und Sonne.
Viele machen sich in dieser trostlosen Zeit auf den Weg – oder die Flucht 😉 – in wärmere Gefilde. Zum Beispiel nach Ägypten für einen Hotelurlaub mit All inclusive in Hurghada.
Genauso, hat es der SinnlosReisende gemacht. Es ging für eine Woche in eine fremde Welt mit erkenntnisreichen Beobachtungen.
Vielen Dank an Marco (sinnlos reisen) für diese Beobachtungen aus einer uns unbekannten Welt.
Beobachtungen aus der wundersamen Welt des All-Inclusive-Urlaubs
Ein Reblog mit freundlicher Genehmigung von sinnlosreisen.blog
Die SinnlosReisenden wagen sich zum ersten Mal in ihrem Leben an einen All-Inclusive-Urlaub. Ein Abenteuer in einer fremden Welt mit eigenen Gesetzen.

Wir hatten uns für einen einwöchigen Hotelurlaub mit All inclusive in Hurghada entschieden, um dem Winter zu entkommen. Das ist zwar nicht unsere bevorzugte Reiseform, aber für den kleinen Urlaub zwischendurch wollten wir der Sache eine Chance geben. Unsere Wahl fiel auf das Beach Albatros Resort, das seinen Namen von den Albatrossen hat, die regelmäßig auf der Wiese notlanden.

Eines will ich gleich zu Beginn klarstellen: eine Woche in Ägypten ist eindeutig zu kurz. Denn die Chancen sind groß, dass du vier Tage in unmittelbarer Nähe deiner Toilette verbringst. Wenn du Glück hast, fällt die obligatorische Starkwindperiode am Roten Meer in diesen Zeitraum. Andernfalls wirst du die restlichen drei Tage hinter einem Windschutz kauern. Oder dir Sandkörner aus allen Öffnungen deines Körpers pulen.
Die Hotelanlage
Ein erster Rundgang in der Hotelanlage stimmte uns positiv: saubere Zimmer, großzügige Pools, warmes Meerwasser mit bunten Fischen am hoteleigenen Korallenriff und reichlich Verpflegung, wo immer man hinschaute.


Familien mit Kindern haben einen eigenen Bereich mit Wasserrutschen, die einem Vergnügungspark alle Ehre gemacht hätten.

In Ägypten werden Kinder schon im Aufzug gefördert, wobei unklar bleibt, wie das konkret aussieht. Aber egal, Förderung ist immer gut.

Viel mehr gab mir der versteckte Gewichtshinweis von 100 kg pro Person zu denken. Nach dem ersten Gang zum Buffet wurde mir der Hintergrund schnell klar.
Das Buffet
Die Gastronomie bietet hier eine 24/7-Vollverpflegung an. Es gab keinen Grund zu Klagen; die einzige Zumutung war, dass man für den Mitternachts-Imbiss vom Restaurant ins Bistro wechseln musste.


Das Essensangebot in drei Restaurants war so reichhaltig, dass sogar für externe Gäste aus dem Tierreich genug übrig blieb. Der Ibis wurde schon bei den alten Pharaonen als heiliger Vogel verehrt und wird deshalb bis heute als Gast beim Mittagessen toleriert.

Am Buffet stechen zwei Gruppen besonders hervor: die Schwaben und die Russen. Die Unterschiede sind kleiner als man denken würde. Beide schaufeln sich gierig ihre Teller mit Fleischbergen voll und räumen skrupellos die letzten Scampis ab, ohne die Warteschlange hinter sich zu beachten.
Kleine kulturelle Varianten kann man bei sorgfältiger Beobachtung erkennen: die russischen Gäste lassen den größten Teil ihrer Beute auf dem Tisch stehen und holen sich einen zweiten und dritten Teller mit anderen Delikatessen. Die Schwaben essen dagegen alles auf und machen eine provisorische Kehrwoche am Tisch. Im Rausgehen packen sie sich noch etwas Proviant in Servietten ein. Ihr Leitspruch lautet: „Liebr de Mage verrenkt, als em Wirt ebbes gschenkt“.
Bei Frauen kann man die Nationalität auch am Gesicht erkennen: die Russin schmückt sich mit Russian Lips, die manchmal so extrem sind, dass das Saugen an einem Strohhalm zur Herausforderung wird.
Aufmerksame Leser fragen sich vielleicht, wie sich eine derartige Ernährungsweise auf das Gewicht auswirken mag. Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Ich habe gehört, dass das Gehirn 25% der Kalorien im Ruhezustand verbraucht. Also wenn der Körper ruht, nicht das Hirn. Daher versuchte ich es mit einem speziellen Workout: Ich setzte mich nach dem Essen in einen Liegestuhl und dachte intensiv nach.
Weit kommt man damit nicht, aber zum Glück gibt es eine einfache Lösung, quasi ein Hausmittel, das ich selbst ausprobiert habe. Man bedient sich einfach am Abreisetag aus dem Korb mit ungewaschenem Obst für den Heimweg. Die nächsten drei Tage denkst du an vieles, aber nicht ans Essen. Aber erst beim Landeanflug aufessen! Es gilt als unhöflich, den ganzen Flug über die Bordtoilette zu besetzen.
Unsortierte Beobachtungen
Die Ägypter haben vor Tausenden von Jahren die Pyramiden gebaut, aber Treppen mit gleichmäßigen Stufen bekommen sie heute nicht mehr hin.

In der ersten Nacht wurde ich von irgendwelchen betrunkenen Vollhonks aufgeweckt, die nicht mal mehr in der Lage waren, ihre Zimmertür zu öffnen, ohne die Alarmanlage auszulösen.
Eines Vormittags lag ich auf einer Strandliege und lauschte dem beruhigenden Geräusch der Wellen am Strand. Auf der Nachbarliege döste eine Frau mit Kopfhörer. Plötzlich beugte sie sich lässig zur Seite und erbrach sich schwallartig in den ägyptischen Sand. Routiniert und diskret eilte das Personal mit Latexhandschuhen und einer reißfesten Tüte herbei und beseitigte das Malheur. Nach einer Minute war der ganze Spuk vorbei und alles ging seinen normalen Gang.
Am dritten Abend löste ich nach mehreren Drinks die Alarmanlage an unserer Zimmertür aus, als ich mit fahrigen Händen versuchte, sie zu schließen.

Direkt vor dem Hotel liegt ein Mini-Korallenriff, in dem sich unwahrscheinlich bunte Fische tummeln. Völlig mühelos kann man hier in einen roten Feuerfisch mit seinen extrem schmerzhaften Giftstacheln greifen.

Leider war das Riff ziemlich ramponiert, weil trotz ausgiebiger Hinweistafeln und Absperrungen immer wieder Touristen über die empfindlichen Korallen trampelten. Egal welcher Sprache man nicht mächtig ist, rote Fähnchen kann man eigentlich nicht missverstehen. Um dieses Rätsel zu lösen, müsste man zunächst Russisch lernen.
In ägyptischen Hotels ist es üblich, den Angestellten für jeden Handgriff ein Trinkgeld in Euromünzen zu geben. Da die ägyptischen Banken keine Münzen annehmen, wird man immer wieder vom Personal angesprochen, ob man nicht einen Sack Münzen gegen Scheine tauschen würde. Aus den Münzen kann man dann wieder Trinkgeld geben und der ewige Kreislauf des Geldes beginnt von Neuem. Aber Achtung: wer aus diesem Spiel zu spät aussteigt, muss beim Rückflug Übergepäck bezahlen, weil er mehrere Kilo an Kleingeld mit sich führt.
Das Strandliegen-Kartell und die Handtuchmafia
Endlich mal ein Hotel, das dieses unselige Liegen-reservieren mit einer klaren Ansage unterbindet.

Ich hatte natürlich gleich gecheckt, dass es hier einige wenige Liegen in erster Strandreihe und eine ganze Menge zweitrangige Liegeplätze gab. Als Frühaufsteher war mein Plan einfach und genial: um 07:00 Uhr mit einem Käffchen aus der Early-Bird-Lounge gemütlich an den Strand schlappen, eine halbe Stunde Chi Gong üben und pünktlich um 07:30 Uhr als Erster die beste Liege besetzen. Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Als ich um 07:00 Uhr an den Strand kam, waren alle Sonnenliegen in der ersten Reihe und die meisten in der zweiten Reihe bereits mit Handtüchern belegt.

Ich nahm die Challenge an und rüstete auf. Ich packte abends meinen Rucksack und schlich mich am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang an den Strand. In der diffusen Morgendämmerung war nicht viel zu erkennen, aber etwas raschelte unter den Strandpalmen.
Die ersten Sonnenstrahlen enthüllten das Geheimnis: Senioren, die kaum die drei Stufen zum Speisesaal schafften, entwickelten eine erstaunliche Agilität bei der Reservierung ihres Lieblingsplatzes. Manche belegten sogar zwei Liegen, eine am Pool, eine am Strand. Wegen der Abwechslung.
Obwohl ich versuchte, das System zu durchschauen, musste ich aufgeben. Ich war einfach nicht bereit, in meinem Urlaub den Wecker zu stellen, um eine Liege mit unverbaubarem Meerblick zu bekommen. Ich vermute, dass das Personal eine mafiöse Verbindung mit dem Senioren-Kartell einging. Denn immer wieder konnte ich beobachten, wie Geldscheine unauffällig den Besitzer wechselten.
Verlockende Zusatzangebote
Am vierten Tag begann ich vor lauter Langeweile die Sandkörner am Strand zu zählen. Zum Glück gibt es auf dem Hotelgelände zahlreiche kostenlose Zusatzangebote. Man kann zum Beispiel bei Doktor Fisch seine Füße anknabbern lassen.

Angeblich haben die Fische keine Zähne, sondern knabbern mit einem Enzym. Lecker. Man kann aber auch einfach im Meer mit den Haifischen schnorcheln. Die haben ziemlich viele Zähne.
Wer sich nicht daran stört, dass alle anderen zuschauen, wie man sich lächerlich macht, kann auf der Bühne am großen Pool ein Mitmach-Angebot nutzen. „Bauchtanz für Unbegabte“ ist sehr beliebt. Oder „Yoga für Unbewegliche“, wobei mir schleierhaft ist, wie sich der Trubel im Pool mit der Öffnung der blockierten Chakren verträgt.

Trinkfeste Gäste können eine Runde Bier-Pong spielen. Wenn man mit einem Tischtennisball in den gegnerischen Becher trifft, muss der ihn austrinken. Das Spiel endet immer damit, dass mindestens ein Spieler sturzbetrunken ist. Fortgeschrittene spielen mit Mojitos.

Wer nach so einem Spielchen gut vorgeglüht ist, kann direkt in die Schaumparty einsteigen. Hemmungen sind hier fehl am Platz.

https://www.youtube.com/embed/ZswVXTOVh7M?feature=oembedDie Schaumparty
Neben diesen attraktiven Events zum Nulltarif gibt es natürlich auch noch kostenpflichtige Zusatzangebote. Man kann Tauchausflüge mit komfortablen dreistöckigen Yachten buchen, die beim kleinsten Wind kentern. Oder sich mit dem Quad auf steinigen Pisten in der Wüste den Rücken ruinieren.
Autorisierte Schlepper saugen sich wie Blutegel an neu angekommenen Touristen fest. „Hello my friend, Massage, Massage, Hamam, Yacuzzi, Gesichtspeeling, Haarschnitt, Maniküre, Pediküre, Nasenhaare, Ohrenhaare, alles weg, inclusive Rasur, kommst du heute, zweites Mal umsonst“. Diese Vermittler sind derart freundlich und angenehm, man hat nach kurzer Zeit das Gefühl, in eine liebende Familie aufgenommen worden zu sein. Bis zu dem Moment, in dem ihnen klar wird, dass sie kein Geschäft machen. Dann kippt die Stimmung in Sekundenbruchteilen ins Gegenteil.

Preisverhandlungen mit den Schleppern sind genau so schwierig, wie in der Dusche ein Stück Seife festzuhalten – man kann sich nie sicher sein. Ich buchte eine halbstündige Kleopatramassage (7 Jahre jünger), deren Preis ich von unverschämten 125 € auf 35 € heruntergehandelt hatte. Am Abend erfuhr ich, dass unser Zimmernachbar eine einstündige Ganzkörpermassage (15 Jahre jünger) für 25 € bekommen hatte. Mist!
Das All-Inclusive-Paket beinhaltet alkoholische Getränke ohne Limit – eine perfekte Gelegenheit, seine Freunde zu einem Drink einzuladen. Das ist auch für die Hotels eine Win-Win-Situation, weil man mit alkoholisierten Gästen hervorragende Geschäfte machen kann. Ab 1,2 Promille nimmt die Fähigkeit drastisch ab, überteuerte Angebote aus der Entertainmentbranche kritisch zu würdigen oder Wechselgeld nachzuzählen. Wir trafen Gäste, die 650 € für Massagen ausgegeben hatten, mehr als für den gesamten Urlaub inklusive Flug. Das ist dann wie bei einem Börsencrash: das Geld ist nicht weg, es gehört nur Jemand anderem.

Die Umgebung
Die Umgebung unseres Resorts ist schnell beschrieben: zur rechten Seite grenzt das Gelände direkt an das nächste Hotel, das man wegen falscher Farbe der Armbändchen nicht betreten darf. Links gibt es ein vermülltes Ödland. Und landeinwärts grenzt das Areal an eine vierspurige Straße, an der einige Läden verzweifelt versuchen, Geschäfte mit Touristen zu machen, die sich aus der All-Inclusive-Blase hierher verirrt haben.


Man kann auch ein Taxi nach Hurghada nehmen und sich dort auf einem Touristen-Souk ausnehmen lassen.

Ausflüge nach Luxor kann man sich sparen, denn in direkter Nähe des Hotels gibt es adäquaten Ersatz.




Fazit
Wer im Winter ein paar sorglose Tage in warmer Sonne am Meer genießen möchte, der ist mit so einem All-Inclusive-Paket in Ägypten gut bedient. Man muss halt manchmal Augen und Ohren vor den Exzessen des Pauschaltourismus verschließen. Und man muss die arabische Mentalität abkönnen. Beides fiel uns nicht immer leicht. Aber jeder kann ja machen, was er will.
Übrigens: Auf dem Titelfoto dieses Beitrags ist das Hotel Luxor in Las Vegas zu sehen. Der Bericht über unsere USA-Reise ist in Arbeit. Bis bald.
Ende des Reblogs von sinnlosreisen.blog
Unser Fazit
Wir hatten diesen Winter kurz überlegt uns ebenfalls einen All-In-Kurzurlaub zu gönnen. Aber nööööö, dann lieber doch beim Campen bleiben. Im Winter reicht auch ein schöner Trip durch Südeuropa 😉